Rückfallprophylaxe: was eine Veränderung dauerhaft trägt

Die Frage, ob eine Veränderung hält, ist die Kernfrage des ganzen Verfahrens, und sie wird nicht mit Willensstärke beantwortet. Willen hat fast jeder, besonders unter Druck. Was zählt, ist, was passiert, wenn der Druck nachlässt: wenn das Verfahren vorbei ist, wenn ein schlechter Tag kommt, wenn eine Gelegenheit sich ergibt, in der früher immer konsumiert wurde. Rückfallprophylaxe bedeutet, sich auf genau diese Momente vorzubereiten, bevor sie eintreten.
Warum Vorsätze nicht reichen
Ein Vorsatz wird in ruhigem Zustand gefasst und muss in unruhigem Zustand halten. Das ist die eingebaute Schwäche. In dem Moment, in dem es darauf ankommt, sind Sie müde, gereizt, gekränkt oder einfach in guter Stimmung und unaufmerksam. Der Vorsatz steht dann gegen eine Gewohnheit, die über Jahre eingeübt wurde, und Gewohnheiten sind ausdauernder als Vorsätze.
Deshalb setzt eine wirksame Vorbereitung nicht am Willen an, sondern an den Bedingungen. Was lässt sich so einrichten, dass die schwierige Entscheidung gar nicht erst ansteht? Diese Frage ist nüchterner und deutlich wirksamer.
Die eigenen Warnzeichen kennen
Ein Rückfall beginnt nicht in dem Moment, in dem etwas geschieht. Er beginnt früher, oft Tage vorher, und er hat Vorboten. Wer seine kennt, hat einen Vorsprung.
- eine Stimmung, die früher regelmäßig vorausging
- der schleichende Rückzug aus Kontakten, die stützen
- Gedanken, die Ausnahmen begründen, weil dieser eine Fall anders sei
- die Rückkehr in Situationen und Orte, die eng mit der alten Gewohnheit verbunden sind
- das Nachlassen von Routinen, die den Tag getragen haben
Der dritte Punkt ist der tückischste. Das Denken bereitet den Boden, lange bevor gehandelt wird. Wer bemerkt, dass er anfängt, sich Ausnahmen zurechtzulegen, sollte das ernst nehmen, statt es als harmlose Überlegung abzutun.
Strategien, die schon erprobt sind
Eine Strategie, die nur gedacht wurde, ist keine. Erst wenn sie einmal angewendet wurde, wissen Sie, ob sie funktioniert. Deshalb sind die Wochen und Monate der Vorbereitung so wertvoll: Sie liefern die Gelegenheiten, an denen sich das Neue bewähren kann. Ein Fest, ein Streit, ein schwerer Tag im Beruf, eine Einladung in den alten Kreis. Jede dieser Situationen, die anders ausgeht als früher, ist ein Beleg.
Konkret heißt das: einen Ausstieg vorbereiten, bevor man in die Situation geht. Wissen, was man sagt, wenn man gefragt wird. Wissen, wen man anrufen kann. Wissen, wann man geht. Das klingt kleinlich, und es ist genau deshalb wirksam, weil es die Entscheidung aus dem schwierigen Moment herausnimmt.
Das Umfeld
Niemand hält eine Veränderung allein gegen sein gesamtes Umfeld durch. Wer weiterhin ausschließlich dort verkehrt, wo die alte Gewohnheit selbstverständlich ist, kämpft jeden Tag denselben Kampf. Manche Betroffene haben deshalb ihren Kreis verändert, andere haben Grenzen gezogen und diese Grenzen über längere Zeit gehalten. Beides ist möglich, aber es muss stattgefunden haben.
Zum Umfeld gehören auch die Menschen, die stützen. Wer niemanden eingeweiht hat, hat auch niemanden, den er anrufen kann. Das Eingeständnis gegenüber einem nahen Menschen ist unangenehm und zugleich eine der stabilsten Stützen, die es gibt.
Wenn es doch passiert
Ein Rückschritt ist kein Beweis dafür, dass alles umsonst war. Er ist eine Information: Etwas an den Bedingungen hat nicht gehalten. Entscheidend ist, was danach geschieht. Wer daraus lernt und die Lücke schließt, ist weiter als vorher. Wer ihn verschweigt und hofft, dass er nicht auffällt, baut auf einer Stelle weiter, die bereits gebrochen ist. Und wo sich zeigt, dass die eigene Kraft nicht reicht, gehört die Sache in ärztliche Hände oder zu einer Suchtberatungsstelle.
Fazit
Eine Veränderung trägt nicht durch Willenskraft, sondern durch veränderte Bedingungen, erkannte Warnzeichen und erprobte Strategien. Wer seine Vorboten kennt, seinen Ausstieg vorbereitet hat und ein Umfeld hat, das stützt, ist nicht unverwundbar, aber vorbereitet. Und das ist genau der Unterschied, um den es geht.