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Straftaten und aggressives Verhalten im Straßenverkehr als Anlass der MPU

Situation im Straßenverkehr

Wenn eine Straftat oder ein aggressiver Vorfall der Anlass ist, richtet sich die Begutachtung auf die Frage, wie es zu dem Kontrollverlust kam und was ihn künftig verhindert. Anders als bei Alkohol oder Drogen gibt es hier keine Substanz, an der sich etwas festmachen ließe. Die Person selbst und ihr Umgang mit Konflikten, Frust und Grenzen stehen im Mittelpunkt. Das macht diesen Anlass für viele Betroffene besonders unangenehm und die Aufarbeitung besonders wichtig.

Worum es geht

Der Begriff umfasst sehr unterschiedliche Sachverhalte. Nötigung im Verkehr, Auseinandersetzungen im Straßenraum, Delikte, bei denen ein Fahrzeug eine Rolle spielte, oder Verhalten, das eine erhebliche Missachtung fremder Rechte erkennen lässt. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Zweifel wecken, ob jemand bereit oder in der Lage ist, sich in einem System aus wechselseitiger Rücksicht zu bewegen. Der Verkehr funktioniert nur, weil sich Menschen aufeinander verlassen können.

Auch hier gilt: Die strafrechtliche Seite ist abgeschlossen. Die Behörde stellt nicht dieselbe Frage noch einmal. Sie fragt, ob mit einer Wiederholung zu rechnen ist.

Der Blick auf den Auslöser

Aggression entsteht selten aus dem Nichts. Fast immer gibt es eine Vorgeschichte am selben Tag oder in derselben Lebensphase: Erschöpfung, ein ungelöster Konflikt, das Gefühl, ohnehin schon zu kurz zu kommen, eine Kränkung, die kurz vorher lag. Das entschuldigt nichts, aber es erklärt etwas, und Erklärung ist die Grundlage für Veränderung.

Im Gespräch geht es deshalb um Fragen wie diese: Was ging dem Vorfall voraus? An welchem Punkt hätten Sie aussteigen können, und warum sind Sie es nicht? Wie äußert sich Ärger bei Ihnen körperlich, und woran merken Sie ihn frühzeitig? Wie gehen Sie heute mit ähnlichen Situationen um, und gab es seither eine Gelegenheit, das zu zeigen?

Besonders aufschlussreich ist die Frage nach dem Muster. War der Vorfall wirklich einmalig, oder gab es Vorläufer, die nur folgenlos geblieben sind? Viele Betroffene erinnern sich bei genauerem Hinsehen an Situationen, in denen es fast eskaliert wäre. Wer das benennt, wirkt nicht belastet, sondern aufrichtig. Wer darauf besteht, dass es ein einziges Mal und völlig untypisch war, obwohl die Akte anderes nahelegt, verliert an Glaubwürdigkeit.

Warum die Beschreibung von Reue nicht reicht

Kaum jemand ist stolz auf einen solchen Vorfall. Die meisten Betroffenen bedauern ihn aufrichtig. Aus Sicht der Prognose ist Bedauern jedoch der Ausgangspunkt und nicht das Ziel, denn beim nächsten Mal wird die Situation wieder eskalieren, wenn sich nichts geändert hat. Interessant ist deshalb, welche Werkzeuge heute vorhanden sind.

  • frühzeitiges Erkennen der eigenen Anspannung, bevor sie umschlägt
  • ein Ausstieg aus der Situation, der geübt und nicht nur gedacht ist
  • Entlastung an der Quelle, also weniger Dauerdruck im Alltag
  • fachliche Begleitung, wenn es nicht bei einem einzelnen Vorfall geblieben ist

Wer solche Punkte konkret benennt und an Beispielen zeigt, macht eine Veränderung nachvollziehbar. Wer nur versichert, so etwas werde nie wieder vorkommen, liefert kein Argument, sondern eine Absicht.

Der Umgang mit Scham

Bei diesem Anlass ist die Scham oft größer als bei anderen. Sie führt dazu, dass Betroffene beschönigen, das Verhalten der anderen Seite betonen oder sich einsilbig zurückziehen. All das erschwert die Begutachtung, weil sie auf Offenheit angewiesen ist. Eine gute Vorbereitung nimmt sich deshalb Zeit für diesen Punkt: Es geht nicht darum, sich selbst zu verurteilen, sondern darum, den eigenen Anteil sachlich beschreiben zu können, ohne die Selbstachtung zu verlieren.

Das ist Arbeit, und sie ist nicht in wenigen Sitzungen erledigt. Wer sie leistet, verändert nicht nur die Ausgangslage im Verfahren, sondern meist auch etwas im eigenen Leben.

Wenn mehr dahintersteckt

Manchmal zeigt sich, dass der Vorfall im Verkehr nur ein Ausschnitt eines größeren Musters war, das auch andere Lebensbereiche betrifft. In solchen Fällen ist eine verkehrspsychologische Vorbereitung nicht der richtige oder jedenfalls nicht der alleinige Ort. Ein Gespräch in der Hausarztpraxis oder mit einer psychotherapeutischen Fachkraft ist dann der ehrlichere Weg. Eine seriöse Beratung erkennt diese Grenze und spricht sie an, statt sie zu übergehen.

Fazit

Bei Straftaten und aggressivem Verhalten fragt die MPU nach dem Menschen hinter dem Vorfall und nach den Bedingungen, unter denen die Kontrolle verloren ging. Tragfähig wird eine Antwort erst dann, wenn sie beschreibt, was sich seither an diesen Bedingungen geändert hat. Reue ist der Anfang dieser Arbeit, nicht ihr Ergebnis.

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